Sprichst Du schon IPv6?

Datum: 09.04.2016

Kürzlich hat mein Lieblings-IPv6 Tunnel Broker Sixxs.net verkündet, er erlaube ab sofort keine neuen Anmeldungen mehr und werde bestehende Benutzer drosseln. Interessenten sollen sich lieber an ihre Internetprovider wenden und natives IPv6 einfordern. Hintergrund sei: Eine allzu große Zahl von Internet- und Hostingprovidern würden sich konsequent weigern, natives IPv6 anzubieten. Stattdessen sprechen diese Anbieter Empfehlungen aus, sich doch einfach einen IPv6 Tunnel zu registrieren. Dem will Sixxs nun einen Riegel vorschieben.

Diese Nachricht erreichte mich am 01.04.. Sixxs war also so freundlich und hat alle bereits registrierten Benutzer über diese Entscheidung informiert und zugleich zur Aktion „Call your ISP for IPv6“ aufgerufen – u.a. heise.de berichtete.

Wer aufgrund des Datums nicht skeptisch wurde, hat sich womöglich über die nach wie vor vorhandene Möglichkeit zur Anmeldung gewundert. Wie viele Benutzer dem Aufruf zu „Call your ISP“ gefolgt sind, kann ich nicht einschätzen. Allerdings geht aus einer mir zugänglichen Kunden-Umfrage eines legacy Providers hervor, dass es in der letzten Woche eine Zunahme bei der Nachfrage nach IPv6 gegeben hat.

Grund genug für mich, ein paar Minuten in eine kleine Recherche zu investieren.

Zunächst habe ich bei gridscale angefangen und festgestellt, dass wir knapp über 10% unseres Traffics über das Internetprotokoll v6 abbilden.

Wundert mich diese Zahl? Tja – um ehrlich zu sein habe ich darüber noch nicht nachgedacht. Mir war das Offensichtliche klar. Der Anteil an IPv6 Traffic wird irgendwo zwischen 0% und 100% liegen – je näher an den Grenzfall, desto unwahrscheinlicher die Annahme. Aber ist jetzt 10% viel oder wenig?

Dass wir bei gridscale darauf verzichten IPv6 Traffic zu berechnen, wird bei den heutigen Traffic-Kosten vermutlich keine große Rolle spielen. Es muss andere Gründe geben, warum 10% unseres Traffics IPv6 – oder eben 90% IPv4 ist.

Als wir gridscale planten, stellte sich für uns die Frage nach IPv6 gar nicht. Wir arbeiten seit Jahren mit IPv6 und es gehört für uns zum Standard. Allerdings sehen wir auch heute noch eine unfassbar große Menge an Providern, die IPv6 seit mehreren Jahren ergebnislos auf ihrer Roadmap haben. Dabei handelt es sich nicht nur um Legacy-Hostingprovider, auch Unternehmen vermeintlich moderner IaaS- und PaaS-Services zählen sich mit Stolz zu dieser Gruppe.

Wie es anders geht, zeigen Vorzeigeunternehmen wie z.B. die Hetzner Online GmbH.

Doch was sind überhaupt die Treiber hinter IPv6? Und wie sieht es weltweit mit der Verteilung aus?

Zunächst zu den Gründen. Den Verweis auf die IPv4-Adressknappheit spare ich mir, denn letztlich kann das dem Anwender ja egal sein. Das ist lediglich ein Problem für die ISP’s. Doch seit einiger Zeit fangen Schwergewichte in verschiedenen Branchen an, IPv6 sehr stark zu pushen. Um ein prominentes Beispiel zu nennen: Apple.

Seit Anfang 2016 verlangt Apple von seinen App-Entwicklern, dass alle Apps den sogenannten Dual-Stack unterstützen. Keine Unterstützung für IPv6 bedeutet also, dich lässt der Türsteher vor dem iOS Store stehen.

Auch Netzbetreiber wie z.B. die Deutsche Telekom haben bereits ihr Mobilfunknetz auf den Dual-Stack umgestellt. 2015 war die Deutsche Telekom damit der erste deutsche Provider, der IPv6 flächendeckend eingesetzt hat. Andere folgten und folgen.

Aber zurück zu der kleinen Recherche. Die beste Statistik die ich fand ist von Google. Aus dieser geht hervor, dass weltweit etwa 10% des Traffics über das IPv6 Protokoll abgehandelt wird. Dabei ist der Korridor für die Verbreitung von IPv6 in den jeweiligen Ländern enorm groß. Die folgende Karte zeigt einige europäische Länder mit dem jeweiligen Verbreitungsgrad für IPv6.

 

Verbreitung IPv6 Protokoll

Weltweit betrachtet ist der Korridor noch etwas größer. Länder, in denen der Verbreitungsgrad von Internet verschwindend gering ist, haben logischerweise auch keine relevante Verbreitung von IPv6. Einen höheren Verbreitungsgrad als in Belgien konnte ich aber nirgends ausfindig machen.

Doch wie lange wird es noch dauern, bis IPv6 zum Quasi-Standard wird? Eine mögliche Antwort liefert etwas versteckt die verlinkte Google-Statistik.

StichtagVerbreitung weltweit in %Multiplikator
01.01.20100,11%
01.01.20110,19%1,73
01.01.20120,42%2,21
01.01.20131,06%2,52
01.01.20142,78%2,62
01.01.20155,82%2,09
01.01.201610,40%1,79
01.01.201721%2,00
01.01.201842%2,00
01.01.201985%2,00

Unterstellt man also auf Basis der Vergangenheit ein ähnliches Wachstum für die Zukunft, dürften wir in drei Jahren alle IPv6 sprechen.

Wie dem auch sei, gridscale ist für diese Zukunft bestens gerüstet. Wenn du beim lesen dieses Artikels denkst „Hey, da kenne ich doch diese eine besonders gute Quelle“ dann freue ich mich sehr über eine kurze Nachricht an uns. Ich werde gerne weitere, nützliche Quellen zu IPv6 in diesem Artikel verlinken.

Update 1 – 21.04.2016

Jens hat uns kontaktiert und einen sehr guten Link von Akamai geschickt. Die Statistiken sind sogar interaktiv, wirklich außerordentlich interessant. Danke, Jens!

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