Behind the Scenes - gridscale im Interview mit den Investment-Managern des HTGF und EnjoyVenture

Datum: 16.02.2017

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Interview mit Henrik Hasenkamp, CEO bei der gridscale GmbH, Kristin Müller, Investment-Managerin beim High-Tech-Gründerfonds (HTGF) und Andreas Schenk, Investment-Manager bei EnjoyVenture. Moderation: Nicola Römer, CMO bei der gridscale GmbH.

NICOLA:
Hallo zusammen!

Rückblickend auf das Jahr 2016 würde ich mich heute gerne noch einmal etwas intensiver mit euch über die Finanzierungsrunde im August unterhalten. Für uns war es ein sehr bedeutender Moment, als es hieß, dass der HTGF und der BLSW in gridscale investieren. Wir haben uns sehr darüber gefreut, dass ihr an unsere Entwicklung glaubt und uns somit ein Wachstum an mehreren Standorten ermöglicht.

Für den Beginn schlage ich vor, nochmals mit einer kleinen Vorstellungsrunde zu starten. Henrik, würdest du dich noch einmal kurz vorstellen und ein paar Sätze zu der Idee hinter gridscale sagen?

HENRIK:
Sehr gerne! Mein Name ist Henrik Hasenkamp und ich bin einer von drei Gründern. Mit gridscale beabsichtigen wir, das ganze Thema rund um Cloud-IT-Infrastruktur deutlich mehr auf den Nutzer zuzuschneiden. Wir wollen Hürden aus dem heutigen Alltag entfernen, das heißt also, dass der durchschnittliche IT-Anwender in der Lage sein soll, IT-Infrastruktur aufzubauen, zu verwalten und steuern zu können. Damit heben wir das Nutzererlebnis, welches auf bisher bestehenden Plattformen nicht stattfindet, in eine neue Dimension – das ist die Idee hinter gridscale. Außerdem sehen wir als sehr technisch interessiertes Gründerteam in den bestehenden Plattformen einen großen Bedarf, Verfügbarkeits-Themen zu optimieren. Klassische SLA-Situationen von 99,X% führen im Ernstfall dazu, dass eine IT-Infrastruktur Stunden oder sogar einige Tage lang im Jahr offline sein kann. Hier sind wir der Auffassung, dass es mit den heute verfügbaren Technologien nicht erklärbar ist, wieso sich Anbieter so positionieren. Wir haben daher einen Ansatz gewählt, der insgesamt die Verfügbarkeit auf ein neues Niveau hebt. Wir sind dann zufrieden, wenn es eine sogenannte „Zero-Downtime-Garantie“ gibt. Dies bedeutet, dass es keinen einzigen Ausfall auf Kundenseite mehr gibt.

NICOLA:
Vielen Dank, Henrik! Nun zu euch, Kristin und Andreas – vielleicht könnt auch ihr ein paar Worte zu euch und euren jeweiligen Fonds sagen.

KRISTIN:
Mein Name ist Kristin Müller und ich bin Investmentmanagerin beim High-Tech Gründerfonds. Der HTGF ist der größte Seed-Finanzierer in Deutschland. Uns gibt es mittlerweile seit 11 Jahren. In dieser Zeit haben wir über 400 Investments getätigt, 270 Unternehmen sind jetzt gerade noch in unserem Portfolio aktiv. Wir haben unterschiedliche Schwerpunkte – ein Team beschäftigt sich hauptsächlich mit Life Sciences und Healthcare, ein weiteres fokussiert sich eher auf Hardware- und industrielle Software und ich bin im Team Medien-/Kommunikation und Internet.

Zu meinem Hintergrund: ich habe ursprünglich BWL studiert und mich schon im Studium auf die Finanzierung von Startups fokussiert. Dann bin ich bei der Telekom eingestiegen und habe dort ein Trainee- Programm durchlaufen, wodurch ich unterschiedliche Finanzbereiche im Konzern kennengelernt habe. Zuletzt war ich bei hub:raum, dem Inkubator und Accelerator der Telekom. Hier war ich hauptsächlich im Business Development tätig und habe jetzt den Schritt auf die Finanzierungsseite wiedergefunden.

ANDREAS:
Mein Name ist Andreas Schenk. Ich bin Investmentmanager bei EnjoyVenture (Investment-Management-Arm des BLSW-Fonds). Hier bin ich insbesondere in den Gebieten der ganzen „X“aaS, d.h. Infrastructure-as-a-Service, Platform-as-a-Service und Software-as-a-Service, aktiv. Ein weiterer Fokus von mir ist der Deal-Flow bei uns. Dabei schaue ich mir viele neue Unternehmen an, bin auch dort sehr stark in die Prüfung involviert und deutschlandweit unterwegs, um neue Investment-Möglichkeiten für uns zu finden.

Vielleicht noch kurz zu EnjoyVenture:  Wir sind ein relativ kleines Fonds-Management-Team, haben inzwischen ein Portfolio von über 30 Portfolio-Unternehmen, die zum größten Teil in NRW, Hannover aber auch in Berlin und Hamburg sitzen. Wir investieren über die komplette Bank in Themen, die uns interessieren. Der Schwerpunkt sind dabei meistens digitale Geschäftsmodelle, aber auch Produktionen und vereinzelt Life-Science-Themen. Insgesamt verfügen wir über ein Fondsvolumen von rund 70 Mio. Euro.

NICOLA:
Henrik, ihr als Gründer von gridscale habt euch mehrere Investoren für die Seed-Runde angeschaut. Wie genau war der Prozess und was waren die initialen Gründe, dass ihr mit dem HTGF und dem BLSW den Finanzierungsprozess weiterverfolgt habt?

HENRIK:
Ja, tatsächlich hatten wir neben reinen Investoren während der Phase unter anderem auch ein Angebot für einen sehr frühen Kauf von gridscale. Wir haben uns dann schlussendlich aus zwei Gründen für den HTGF und den BLSW entschieden. Zum einen benötigten wir eine gewisse Kapitalgröße um unsere Idee zu verwirklichen und zu skalieren. Auf der anderen Seite haben wir uns Investoren gewünscht, bei denen wir von Anfang an das Gefühl hatten auf einer Augenhöhe miteinander zu sprechen. Wir sind sehr unerfahren gewesen als wir diesen Prozess anstießen und informierten uns zunächst in unserem Netzwerk. Je nachdem welche Investoren uns als Beispiel genannt worden sind, hörte man eben auch einmal schlechtere Geschichten – extremer Druck oder Gründer, die seitens der Investoren eher als Marionette angesehen wurden, waren nur ein paar Beispiele. Deshalb haben wir uns dann gezielt mit den Investoren enger beschäftigt, von denen uns positiv berichtet wurde. Der BLSW war z.B. eine heiße Empfehlung der NRW-Bank, auf die wir sehr viel Wert gelegt haben und die einfach einen sehr großen Vertrauenszuschuss gegeben hat. Beim HTGF war eine Empfehlung eines befreundeten Unternehmen ausschlaggebend, in welches ihr (HTGF) früher schon einmal investiert habt. Das hat uns einfach das gute Gefühl gegeben und so kamen für uns beide Komponenten zusammen: Auf der einen Seite die Finanzierungshöhe, die für uns gestimmt hat und auf der anderen Seite ein Partner auf Augenhöhe, der zugleich ein sehr starkes Netzwerk mitbringt. Von eurem Netzwerk partizipieren wir sehr – wir haben Kontakte gefunden, haben Geschäfte aufgrund dieses Netzwerkes gemacht, sind präsent in Medien und haben eine gewisse Publicity durch euch gewonnen. Gleichzeitig seid ihr für uns ein wichtiger Sparrings-Partner, d.h. jemanden den wir bei Unsicherheiten fragen können. Ich habe bisher keine negativen Punkte. Was mich in unserer Entscheidung bestärkt, die wir damals trafen.

KRISTIN:
(lächelt) Das ist doch auch mal schön zu hören!

NICOLA:
Kristin und Andreas, was waren denn für euch die Hauptargumente in gridscale zu investieren?

ANDREAS:
Bei uns war es so, dass wir uns damals auch mehrere Unternehmen in dem Bereich Infrastructure-as-a-Service und Plattform-as-a-Service angeschaut haben. Somit hatten wir einen ganz guten Vergleich: Wie weit sind die Teams? Wie weit ist die Technik?

Ausschlaggebend war im Endeffekt, dass das Team hier mit Abstand das beste von denen war, die wir uns angeschaut haben. Zum einen im Sinne der Kompetenzen, die gut aufgeteilt waren. Zum anderen wart ihr ein Team, was im Hosting-Markt schon sehr erfahren ist. Auch in relativ hohen Positionen in großen Unternehmen. Somit sahen wir euch auch für ein größeres Wachstum gewappnet.

Dazu kam natürlich auch, dass gridscale im Vergleich zu anderen schon zum damaligen Zeitpunkt in der Technik ziemlich weit war und es schon erste Kunden und Umsätze gab. Auch nicht geschadet hat, dass das Unternehmen in unserem Investitionsgebiet lag. Euer Sitz in Köln und die Verknüpfungen zu Wuppertal haben an dieser Stelle wahrscheinlich auch ein Stück geholfen! 😉

KRISTIN:
Also da kann ich dir nur beipflichten. Genau das war auch für uns der Hauptentscheidungsgrund. Letztendlich investiert man in die Personen. Die Idee und das Unternehmen formen sich meist noch. Aber wenn man eben schon mal ein Team hat, in dem alle wichtigen Funktionen belegt sind, dann reduziert das die Unsicherheit des Investments maßgeblich. Und das hatten wir hier. Was bei uns auch noch dazu kam ist der Punkt, dass wir einfach gesehen haben, dass das Produkt wirklich das Potenzial hat sehr stark zu skalieren.

NICOLA:
Kristin und Andreas, wie müssen Gründer denn eurer Meinung nach sein, um mit ihrer Idee erfolgreich zu werden?

KRISTIN:
Also ich glaube die wichtigste Eigenschaft von Gründern ist es eine Idee zu haben und diese dann wirklich zu 100 Prozent fokussiert zu verfolgen und bereit zu sein, für diese Idee die Extrameile zu gehen und dafür alles einzubringen und zu geben.

ANDREAS:
Ja, also da kann ich nur beipflichten. Auf der einen Seite muss ein Gründer diese Motivation und Vision haben um dann auch mal schwierige Zeiten durchzustehen. Hier muss man ganz deutlich sagen, dass die besten Teams auch mal mit Rückschlägen klarkommen und weiterziehen. Auf der anderen Seite muss ein Gründer aber auch bereit sein, Kritik und Ratschläge aus dem Umfeld, auch mal von Investoren aufzunehmen und umzusetzen. Die Bereitschaft muss da sein, das Business Modell anzupassen, wenn es an manchen Stellen nicht passt. Und natürlich macht einen guten Gründer aus, dass dieser es schafft, ein talentiertes Team um sich herum aufzubauen, und es schafft dieses motiviert zu halten. Das ist fast noch wichtiger, denn der Erfolg der Idee ist Teamwork und auch mal Arbeit zu delegieren und gute Leute zu haben, mit denen man sich austauscht.

NICOLA:
Wie passt gridscale in euer Management-Portfolio?

KRISTIN:
Bei mir ist griscale ein bisschen der Exot. Meine anderen Unternehmen sind ja eher B2B-SaaS-Modelle. Ich sehe gridscale als Ergänzung zu meinem Portfolio, im Prinzip als „Enabler“, der durch innovative Art des Cloud-Computings die Skalierung von B2B-SaaS-Modellen möglich macht.

NICOLA:
Was sind für euch die wichtigsten Meilensteine in den nächsten drei Jahren? Warum wird sich gridscale in den nächsten 3 Jahren gegen die Konkurrenz durchsetzen?

KRISTIN:
Was jetzt für gridscale in dieser Phase am Wichtigsten ist, ist den Vertrieb aufzubauen. Und dann, die Organisationsstruktur auch so aufzubauen, dass man auch bei einem größeren Team die Schnelligkeit behält, obwohl die Organisation wächst. Ein weiterer Punkt ist es, dabei nicht das Produkt aus den Augen zu verlieren und die hohe Qualität in der Produktentwicklung beizubehalten. Ich denke das sind die drei wichtigsten Punkte für die nächsten 1 ½ bis drei Jahre. Über die nächsten 5 Jahre kommt dann das Thema Internationalisierung hinzu.

ANDREAS:

Das sehe ich ähnlich! Zum Thema Konkurrenz gehe ich davon aus, dass wir einfach eine sehr starke Technologie haben, die sich beim Kunden durchsetzen wird. Wenn alles gut läuft verbreitet sich auch der gute Service schnell weiter, sowie das gute und zuverlässiges Team.

NICOLA:
Wunderbar! Ich bedanke mich sehr herzlich bei euch allen!

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