Endlich haben wir eine deutsche Cloud

Datum: 11.11.2015

Als Satya Nadella, Microsoft CEO und Nachfolger von Steve Ballmer, heute in Berlin die neue Cloud-Strategie vorgestellt hat, dürften sich nicht wenige die Augen gerieben haben. Microsoft plane zusammen mit einem ‚Datentreuhänder‘ zwei deutsche Standorte für Cloud-Dienste in Betrieb zu nehmen. Übersetzt: Endlich eine IaaS Cloud aus Deutschland.

Ab dem zweiten Halbjahr 2016 sollen zunächst Azure Dienstleistungen aus den Standorten Frankfurt/Main bzw. Magdeburg ausgeliefert werden. Es folgen Office 365 sowie Microsoft Dynamics Dienstleistungen.

Der Betrieb der Standorte erfolgt durch die Deutsche Telekom-Tochter T-Systems – mit ausschließlichem Zugriff durch das Unternehmen T-Systems. Damit hat Microsoft sich selber ausgesperrt und besitzt keinerlei Zugriff auf die Kundendaten. Können sich die Kunden also in Sicherheit wiegen? Das inzwischen gekippte Safe-Harbor Abkommen ist damit kein Argument mehr?

Der Schachzug Microsoft’s ist genial und einfach zugleich. Doch kann dieser Schachzug gleichermaßen genial für die Deutsche Telekom sein?

Grundsätzlich sind derlei Abkommen nichts besonderes. So feierte die Telekom z.B. auf der CeBIT 2015 eine strategische Kooperation mit Huawei. Doch welche Erfolge sind denn bislang den Worten der Telekom gefolgt?

Pünktlich zu wichtigen Anlässen wie z.B. der CeBIT, treibt die Deutsche Telekom immer wieder die „Cloud-Sau“ durchs Dorf. 2012 machte die Cloud noch „alles möglich“. 2013 hieß die Sau dann „Zero Distance“ (https://www.telekom.com/innovation/special-cebit-2013/173610), 2014 wurde sie auf den Namen „Cloud für alle“ getauft und 2015 verpasste man ihr den Namen „Managed Workplace“(https://www.telekom.com/medien/loesungen-fuer-unternehmen/271700).

Diese jährlich wiederkehrenden Ankündigen sind spannend anzusehen. Insbesondere dann, wenn man sich traut einen Blick hinter die erste Landing-Page zu werfen. Denn dort kann man den Eindruck gewinnen, dass die Deutsche Telekom es gar nicht so ernst meint. Oder wie ist es zu erklären, dass die einzige Bestellmöglichkeit einer flexiblen Cloud-Lösung ein Faxformular ist?

Während sich also der Eine oder Andere noch verwundert die Augen reibt, stelle ich mir zwei Fragen.

Erstens: Hat es die Telekom bis heute trotz aller Bemühungen noch nicht geschafft, ein eigenes Cloud-Portfolio zu platzieren? Sind all die Bemühungen der vergangenen Jahre umsonst gewesen? Konnte die Deutsche Telekom bislang kein Produkt an den modernen, agilen und cleveren Kunden adressieren?

Zweitens: Wie kann die Deutsche Telekom mit einer Microsoft-Kooperation Geld verdienen, wenn das EBITDA unmittelbar von Lizenzkosten aufgefressen wird?

Die erste Frage lässt sich mit einem Zitat von T-Systems-Chef Reinhard Clemens beantworten:

„Endlich haben wir eine deutsche Cloud.“

Damit attestiert Clemens der Deutschen Telekom noch einmal, dass die jahrelangen Bemühungen keine Früchte getragen haben. Zugleich belegt Clemens aber auch, dass er gar nicht so genau weiß von was er redet. Denn innovative deutsche Cloud-Anbieter gibt es doch bereits.

Die zweite Frage lässt sich möglicherweise mit den von Handelsblatt herausgefundenen Informationen beantworten. So sollen Kunden des neuen Angebots einen ‚kleinen‘ Premium-Aufschlag von ’nur‘ 25% bezahlen.

Dazu ist eigentlich nicht mehr viel zu sagen. Wer sich heute nach einer Cloud-Lösung für sein Unternehmen umsieht, sollte sich erst einmal die Frage stellen: Private-Cloud oder Public-Cloud?

Für eine Public-Cloud mit der Spezifikation „Datenstandort und Unternehmensstandort in Deutschland“ ist Microsoft’s neuer Vorstoß sicherlich eine Lösung, aber eben nur eine von vielen. Den Beweis, dass sich der Premiumpreis letztlich rechnet, muss das Unternehmen erst einmal antreten.

Fühlt man sich hingegen in dem Bereich der Private-Cloud oder gar Hybrid-Cloud besser aufgehoben, so kann ich guten Gewissens von Unternehmen wie der Deutschen Telekom, Vodafone oder Huawei abraten. Stattdessen bietet es sich an, in den Städten Köln, München und Hamburg nach Anbietern zu recherchieren, die in der Lage sind flexible und agile Lösungen bedarfsgerecht bereitzustellen.

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