5 Gründe warum Systemhäuser wichtig bleiben

Datum: 05.09.2019

Systemhäuser - alles beim Alten?Systemhäuser müssen auf die Cloud setzen. Aber warum sollten die bisherigen Kunden weiter auf das Systemhaus setzen, wenn sie doch alles ganz einfach beim Cloud-Anbieter buchen können? So einfach ist es aber nicht: 5 Gründe für Cloud-Nutzer weiter dem Systemhaus ihrer Wahl zu vertrauen.

Die Systemhäuser stehen unter Strom. Manche Skeptiker haben vor ein paar Jahren besonders den kleineren Systemhäusern ihr Ende vorhergesagt. Ein Grund dafür: Die Cloud wird sich früher oder später durchsetzen – auch im Mittelstand. Und wofür brauchen die Unternehmen dann noch das Systemhaus? Bis auf die Desktops und Notebooks würde das bisherige Geschäft weitgehend zusammenbrechen: der Verkauf von Server- und Softwarelösungen inklusive Installation.

Heute reiben sich die düsteren Propheten die Augen. Zwar gibt es eine gewisse Tendenz zur Aggregation und manches kleinere Systemhaus hat die Segel gestrichen, doch die Umsätze im Systemhausmarkt steigen. Das hat mehrere Gründe. Cloud Computing funktioniert – so schön es auch wäre – noch nicht auf Knopfdruck. Die Systemhäuser haben das verstanden und ihr Geschäft umgestellt: auf Beratung, Managed Services, Integration und – in ersten Ansätzen – auf digitale Transformation. Denn die stellt insbesondere mittelständische Unternehmen vor völlig neue Herausforderungen.

Regionale IT-Beratungs-, Cloud- und Integrations-Partner

Auch wenn nicht jedes Systemhaus auf die gleiche Karte setzt. Sie sind nicht länger nur Lieferant, sondern regionaler IT-Beratungs-, Cloud- und Integrations-Partner. Während die Einen auf Größe gehen und mit bisherigen Wettbewerbern fusionieren oder mit mehreren Häusern kooperieren, suchen sich andere eine Nische, indem sie sich zum Beispiel auf einzelne Branchen spezialisieren. Was sind also die 5 wesentlichen Gründe, weiterhin auf Systemhäuser zu setzen?

  1. Cloud und Digitalisierung
  2. Managed Services
  3. Integration
  4. Fachkräftemangel
  5. Augenhöhe und Regionalität

1. Cloud: Public, Private, Hybrid, Multi?

Cloud-Studien gibt es zuhauf. Welchen Ergebnissen soll man trauen? Die Einen sagen: Der Mittelstand nimmt die Cloud noch immer eher zögerlich an. Die Anderen sehen den endgültigen Durchbruch von Cloud Computing, beschwören jetzt aber eher das Problem, dass der Mittelstand nicht so richtig weiß, welche Cloud die richtige für ihn ist: Public, Private, Hybrid oder Multi? Die Cloud-Nutzer brauchen also IT-Partner, die sie auf dem Weg in die Cloud unterstützen – und die Cloud managen.

Das bestätigt unter anderem die Studie „Managed Cloud Innovation“ von Crisp Research aus dem Dezember 2018. Demnach wollen 71 Prozent der befragten Mittelständler die Betriebsverantwortung für ihre Cloud-Umgebung an Managed Cloud Provider, wie gridscale, übertragen. Nicht einmal ein Viertel plant einen Betrieb in Eigenregie. Wenig ausgeprägt ist der Wille, Kompetenz inhouse aufzubauen.

Managed Cloud-Services gefragt

Eine internationale Studie legt nach. Laut Kaseya zählt Cloud Management mit einer Zuwachsrate von 49 Prozent weltweit zu den Managed-Service-Angeboten, deren Umsätze sich im Jahresvergleich am stärksten entwickelt haben. Und bei mehr als der Hälfte der Managed Service Provider gehört es laut Datto bereits zu deren wichtigsten Portfolio-Bestandteil.

Dies zeigt: Die Unternehmen übertragen den Systemhäusern mehr Verantwortung. Sie überlassen ihnen teilweise die Wahl des Cloud-Anbieters. Darüber hinaus nutzen sie zur Bereitstellung Cloud-Platformen, weil sie ein höheres Maß an Skalierbarkeit und ausgefeiltere Möglichkeiten der Automatisierung bieten, die sich ein einzelnes Unternehmen nicht immer leisten kann.

Digitalisierung ist Chance für Systemhäuser

IT ist heute überall. Ohne sie läuft nichts mehr. Die Digitalisierung wird dies noch verstärken. Reichten früher Server, Storage, Netzwerk und Applikationen, brauchen Unternehmen heute Ressourcen nach Bedarf und mit definiertem Budget. Diese Ressourcen benötigen die Unternehmen von Providern und Systemhäusern, die sie bereitstellen und managen. Dabei gehen die Unternehmen heutzutage komplett anders an das Thema IT heran: Zur digitalen Transformation gehört es, sich über die Prozesse als solche Gedanken zu machen und zu überlegen, wo und in welcher Weise man die neuen Technologien hierfür nutzt. Durch die Digitalisierung rückt die IT noch stärker in den strategischen Fokus von fast allen Unternehmen.

Systemhäuser sind für Unternehmen demnach ein unerlässlicher Partner, wenn es darum geht, den digitalen Wandel zu vollziehen und die Zukunftsfähigkeit des Geschäftes zu sichern. „Digitalisierungsberatung“ ist das Stichwort. Es geht um digitale Geschäftsprozesse. Bits und Bytes geraten in den Hintergrund. Geld wollen die Unternehmen auch dafür in die Hand nehmen. Den Analysten von Capgemini zufolge ist für über 70 Prozent der Unternehmenslenker in Deutschland, Österreich und der Schweiz in diesem Jahr der Ausbau der Digitalisierung eine der wichtigsten Anforderungen an ihre IT. So erhöht 2019 fast jedes zweite Unternehmen die IT-Ausgaben im Vergleich zum Vorjahr.

2. Managed Services: Ohne geht nicht


Die Auftraggeber kommen nicht mehr an Systemhäusern mit Managed Service oder Managed Service Providern vorbei. Entscheiden sie sich für einen Mix aus verschiedenen Cloud-Services sowie on-premise-Lösungen muss es jemanden geben, der die Infrastruktur am Laufen hält. Es ist zu komplex, die einzelnen Aufgaben unter Kontrolle zu behalten, Fehler schnell zu beheben und gleichzeitig für die Weiterentwicklung der eigenen IT-Abteilung zu sorgen. Die soll sich um strategische Themen kümmern.

Bei Managed Services geht es um dauerhafte Leistungen und die Übernahme von klar definierten IT-Segment. Das Systemhaus kann sich derweilen um die Basisinfrastruktur kümmern, um die Cloud-Provider, das Zusammenspiel der Services, um IT-Security und Datenschutz. Sie können zugleich onsite als auch remote bereitstehen und auch selbst betriebene Infrastrukturen als Service bereitstellen.

Langfristige Kundenbindung

Hier und da tun sich die Systemhäuser allerdings noch schwer damit, ihren Kunden mehr als nur ein Lieferant von Hard- und Software zu sein. Zu verlockend das schnelle Geschäft mit Desktops, Servern und Anwendungen. Managed Services dagegen bieten zwar höhere Margen, aber man muss immer für den Kunden da sein. Doch die langfristige Kundenbindung bringt wiederkehrende Umsätze.

So machten 2018 Managed Services in Europa ein Fünftel der Erlöse von Systemhäusern aus, wie die Studie „Trends in Managed Services 2018“ des Software-Anbieters Solarwinds verrät. Mehr als zwei Drittel der befragten Systemhäuser führen ihre Umsatzsteigerungen allein auf zusätzliches Cloud- und Managed Services-Geschäft zurück.

3. Integration: Alles wird immer komplexer

Cloud hin oder her. Nach wie vor gilt. Infrastruktur, Software und Hardware müssen zusammenspielen. Vor diesem Hintergrund verliert Integration nicht an Bedeutung. Im Gegenteil: Ihre ganze Stärke kann IT nur dann ausspielen, wenn alles optimal zusammenspielt. Das ist in den zurückliegenden Jahren oft vernachlässigt worden. Heraus kam ein Sammelsurium an Infrastruktur, die irgendwie laufen musste, aber nicht immer aufeinander abgestimmt war. Und nun kommen noch neue Dienste oben drauf und müssen in historisch gewachsene IT-Strukturen integriert werden – was die Arbeit nicht gerade erleichtert.

Doch die Unternehmen suchen nach neuen Wegen, ihre Prozesse weiter zu optimieren, um auch die letzten Effizienzgewinne schöpfen zu können. Die produzierende Industrie sieht die Effizienzpotenziale in der Vernetzung ihrer Werkshallen. Sie wollen Werkzeuge und Maschinen ins Internet der Dinge heben, Daten sammeln und auswerten und von den Ergebnissen profitieren. Dies macht den Integrationsprozess noch wichtiger. Wem nützen Daten, die nicht in vorhandene Business-Software einfließen. Wem nützen Daten, die nicht direkt in die Entwicklungs-, Produktions- und Logistikabläufe einfließen.

Beraten, Implementieren, Integrieren und Betreiben

Daher brauchen Unternehmen Systemhäuser, die gleichzeitig beraten, implementieren, integrieren und betreiben. Auch die Cloud muss mit unterschiedlichsten Schnittstellen funktionieren. Der Mehrwert wird durch die gesamte IT geschaffen – die Cloud ist nur ein Baustein in einer Gesamtlösung. Auch die As-a-Service-Welt braucht Integration. Und auch die Nutzer müssen verwaltet werden. Wer darf auf welche Lösung mit welchen Rechten zugreifen? Auf welcher Kostenstelle werden die Kosten weiterberechnet? Hier wird eine Integrationsschicht benötigt. Kann das Management dieser neuen Komplexität effizient aber vor allem flexibel genug abgewickelt werden, um die enormen Anforderungen der Organisation von morgen zu erfüllen?

Es gibt also durch die Cloud kein Paradigmenwechsel, denn es bleibt: die Integration. Der Spagat zwischen on-premise und Cloud ist eine Herausforderung. Die Anzahl der Systeme und damit der Integrationsbedarf steigen nach wie vor. Der Wunsch wird noch eine Zeitlang bleiben, IT vollumfänglich und integrativ im Cloud-Portal zusammenklicken zu können. Für diese Anforderungen entstehen zwar neue Werkzeuge, die in der Lage sind, diese Herausforderung zu lösen und vieles zu vereinfachen. Solche Werkzeuge stellen Cloudanbieter den IT-Dienstleistern zur Verfügung, die sie für mehreren Kunden einsetzen können.



4. Fachkräfte: Zu wenige und zu teuer

Die Unternehmen sparen, wo immer sie können. Dabei bleiben auch die IT-Abteilungen nicht verschont, wobei die Anforderungen an das IT-Personal stetig ansteigen. Gleichzeitig suchen Unternehmen wie IT-Dienstleister händeringend nach Fachkräften. Mehr als 80.000 vakante Jobs bezifferte der IT-Branchenverband Bitkom Mitte Dezember 2018. Fast 60 Prozent rechnen damit, dass sich die Lage weiter verschärfen wird. Als Hauptgrund für die Probleme bei der Besetzung von IT-Stellen gaben mehr als drei Viertel der Unternehmen an: Die Bewerber fordern zu viel Gehalt.

IT-Fachkräfte fehlen im Mittelstand

Zudem stehen Unternehmen vor der Herausforderung, dass ihre IT-Kräfte in den nächsten Jahren altersbedingt eine zusätzliche Lücke in die Teams reißen werden. Und die zunehmende Vielfalt und Komplexität der Aufgaben in der IT zwingt die Unternehmen dazu, ihre IT-Fachkräfte ständig weiterbilden zu müssen.

Haben mittelständische Unternehmen vor diesem Hintergrund auf Dauer eine Chance, die richtigen Fachkräfte für einen bezahlbaren Preis zu bekommen? Eher nicht, denn IT-Dienstleister wie Systemhäuser können die Kosten für Fachkräfte auf viele Kunden verteilen und sind dadurch in der Lage, eine Schaufel mehr auf den Gehaltszettel zu packen. Sie können aus demselben Grund Spezialisten für verschiedene Aufgabenbereiche ausbilden, die sie dann für mehrere Kunden einsetzen.

Die fehlenden Fähigkeiten in den IT-Abteilungen machen sich dann bemerkbar, wenn sie komplexe Cloud-Architekturen aufbauen müssen oder ihr Unternehmen die digitale Transformation meistern muss. Auch für den Betrieb der Cloud-Umgebung fehlen Know-how und Ressourcen für ein 24/7-Monitoring.

5. Augenhöhe und Regionalität: Wissen, wer was tut

Es mag ein wenig altbacken und konservativ klingen. Aber gerade in Zeiten, in denen alles immer digitaler wird. In denen Sprachnachrichten, E-Mails und Tickets die Kommunikation beherrschen, geben regionale IT-Dienstleister und Service-Provider, die auch noch auf Augenhöhe sind, der digitalen Welt einen menschlichen und persönlichen Touch. Und das wird gerade im Service wieder gesucht. Es ist gut zu wissen, wer hinter der virtuellen Cloud, Infrastrukturen und Bits und Bytes steckt. Denn im Fall des Falles muss noch immer der Mensch eingreifen.

Daher legen Unternehmen nach wie vor großen Wert auf die regionale Nähe eines Systemhauses. Das spricht für regionale Systemhäuser und gegen weltweite Anbieter, für die ein Kunde in Flensburg, Fürth oder Füssen nur eine kleine Nummer ist.

Fazit

Fest steht: Trotz Cloud geht es ohne Systemhäuser, Managed Service Provider und sonstige IT-Dienstleister nicht. Da wo die Cloud die Arbeit der eigenen IT-Abteilung erleichtert, sind neue Aufgaben zu bewältigen.

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