Buzzword-Dschungel Cloud Computing

Dedicated Server, Hybrid Cloud und vServer einfach erklärt

Die Cloud ist weiter auf dem Vormarsch: Mittlerweile sollen laut Bitkom deutlich mehr als 80 % der deutschen Unternehmen Rechenleistung aus der Cloud beziehen. Vor fünf Jahren lag die Cloud-Nutzung noch bei 65 %, also einem Viertel weniger als heute. 

Doch in eine Cloud zu migrieren bedeutet nicht, dedizierte Server grundsätzlich ausschließen zu müssen: gerade für Unternehmen, die mit sehr sensiblen Daten arbeiten, kann es sinnvoll sein, auch über hybride Alternativen nachzudenken. Doch der Dschungel an Fachbegriffen ist groß und vielen Unternehmen ist noch nicht klar, welche Möglichkeiten Anbieter ihnen heute schon zur Verfügung stellen können.

Deshalb haben wir ein paar der wichtigsten Buzzwords zum Thema Cloud hier einmal zusammengefasst und einfach erklärt:

Dedicated Server 

Ein Dedicated Server ist ein physisches Hostsystem, meist ein Server-Rack, das direkt an ein Netzwerk angeschlossen ist. Es stellt, wenn man so will, das klassische nicht-virtuelle Rechenzentrum dar. Dedicated Server sind dediziert, was bedeutet, dass ihre Ressourcen ohne Umwege (Hypervisor, dazu später mehr) über das installierte Betriebssystem genutzt werden. Der Zugriff ist also direkt und alle vorhandenen Ressourcen können zu 100 % durch den User genutzt werden, sie müssen nicht (wie in der Cloud) mit anderen geteilt werden.

Gerade für Systeme, die von hoher Leistung und Performance abhängen, können solche dedizierten Lösungen sinnvoll sein – sie bieten durch die permanente Verfügbarkeit der Ressourcen eine vergleichsweise hohe Ausfallsicherheit, sind dafür aber deutlich weniger flexibel als eine virtuelle Lösung oder eine Cloud. Ein weiterer Risikofaktor sind Umwelteinflüsse, denn wird ein physischer Server ernsthaft beschädigt, sind oft auch alle gespeicherten Daten verloren.

Virtual Private Server & Hypervisor

Ein VPS (auch vServer oder Virtual Dedicated Server) ist immer Teil einer größeren Serverstruktur, also eines Hostsystems wie dem Dedicated Server. Innerhalb des Hostsystems können mehrere virtuelle Server erstellt werden, auf die die einzelnen Ressourcen dann aufgeteilt werden. Ebenfalls auf dem Hostsystem sitzt ein Hypervisor, der für die Verwaltung der Hardware zuständig ist. Der Hypervisor ist eine Software-Schnittstelle zwischen Hostsystem und VPS, die jedem virtuellen Teilserver einen bestimmten Anteil der physischen Ressourcen wie CPU, RAM oder Festplattenspeicher zur Verfügung stellt.

Diese Ressourcen können automatisiert und flexibel je nach Last verteilt werden, so dass User zu jeder Zeit genau die Rechenleistung zur Verfügung haben, die ihre Systeme benötigen. Außerdem sorgt der Hypervisor dafür, dass die VPS nur die virtuellen und ihnen direkt zugewiesenen Ressourcen nutzen können und keinen direkten Zugriff auf das Hostsystem haben. Sie leben damit quasi in ihrer eigenen “privaten” Welt. Wichtig: Ein VPS ist die virtualisierte Form eines Dedicated Servers, also eines physischen Rechensystems, und keine Cloud.

Hybrid Cloud

Hybride Cloud-Architekturen gehen im Grunde noch einen Schritt weiter: sie virtualisieren keine dedizierten Server, sondern verbinden sie direkt mit einer Cloud-Infrastruktur. So entsteht eine Hybridlösung zwischen öffentlicher Cloud und privatem physischem Rechenzentrum. Das Besondere: für die Nutzer fühlt es sich an, als würden sie weiterhin nur in einer einzigen, virtuellen Cloud arbeiten. Bedienung, Anforderungen und Konfigurationen kommen genau gleich daher, der einzige Unterschied: Im Hintergrund der Software arbeitet ergänzend zur öffentlichen Cloud-Umgebung zusätzlich eine physische Maschine, die einzig und allein nur für den jeweiligen Nutzer bzw. das jeweilige Unternehmen abgestellt ist. Anwendungen und Workloads können so individuell und nach ihrem jeweiligen Anforderungsprofil entsprechend deployed und betrieben werden. Hybride Clouds verbinden so das Nutzererlebnis virtueller Infrastrukturen mit der gezielten Verwendung auch von dedizierter Hardware im Rechenzentrum.

Vor- und Nachteile von hybriden Cloud-Architekturen

1. Mehr Datenschutz für hoch regulierte Branchen

Heute ist jedes Unternehmen auch ein Datenunternehmen – ob mittelständischer Handwerksbetrieb oder Silicon Valley Tech-Riese, alle arbeiten täglich mit sensiblen, persönlichen Daten. Doch der Druck auf die Datenschutzkonformität wächst, je stärker reguliert eine Branche ist (wie zum Beispiel der Finanz-, Energie- oder Telekommunikationssektor). Gerade für solche Unternehmen kann es hilfreich sein, hybride Architekturen zu nutzen, vor allem dann, wenn sie als Folge ihrer Regulierung grundsätzlich dazu gezwungen sind, kritische Daten auf separaten privaten Servern zu lagern. Anbieter hybrider Clouds können es solchen Unternehmen ermöglichen, ihre Cloud- und Server-basierten Daten zu hundert Prozent integriert zu nutzen. Dadurch fallen Hürden zwischen den Schnittstellen weg, Prozesse werden beschleunigt und Ausfälle reduziert. Hinzu kommt, dass Anbietern hybrider Clouds meist mehrere Rechenzentren zur Verfügung stehen, auf die sie die Ressourcen verteilen können. Dadurch kann die Verfügbarkeit aller Daten zu jedem Zeitpunkt maximiert werden.

2. Noisy Neighbours & Number Crunching

Die private Umgebung in einem hybriden Cloud-Konzept wird nicht mit anderen Usern geteilt, Unternehmen können also die gesamte Rechenleistung des Systems zu jedem Zeitpunkt nur für sich nutzen. Damit kann einer der störendsten Effekte in der Cloud hier gar nicht erst entstehen: Der Noisy Neighbours-Effekt.
Die Cloud lebt davon, dass viele User gleichzeitig auf sie zugreifen können – dadurch kann es aber vorkommen, dass besonders datenintensive Applikationen die Ressourcen für andere Anwendungen kurzfristig blockieren. Gibt es keine anderen Anwender im System, ist dieses Ringen um CPUs, RAM und Storage von vorneherein ausgeschlossen. Die alleinige Nutzung der Ressourcen bietet aber auch noch einen zweiten großen Vorteil: Durch eine permanent verfügbare, hohe Rechenleistung sind dediziert zugewiesene Serverumgebungen in einem hybriden Szenario in der Lage, Aufgaben abzubilden, die bei geteilten Cloud-Ressourcen nur eingeschränkt umzusetzen sind. Ein Beispiel dafür ist Number Crunching, also die schnelle Verarbeitung von meist sehr großen Mengen numerischer Daten. Hierfür ist grundsätzlich eine besonders hohe und stabile Performance aller Systeme notwendig. Diese kann beispielsweise durch die Integration von dedizierten High-Performance-Servern in ein hybrides Szenario problemlos erreicht werden.

3. Anspruchsvolle Kostenstruktur 

Viele Vorteile, gepaart mit den komplexen Ansprüchen hoch regulierter Branchen, führen bei hybriden Clouds meist aber auch zu höheren Kosten – ein Aspekt, der in der Planung der Cloud- und Server-Infrastruktur in jedem Fall beachtet werden sollte.
Eine reine Public Cloud-Lösung ist meist günstiger, da Anbieter hier eine minutengenaue (also nutzenorientierte) Abrechnung anbieten können, außerdem entfallen die teils hohen Stückkosten für exklusiv vom Cloud-Anbieter reservierte oder aber selbst angeschaffte und betriebene Hardware. Auch die Gesamtbetriebskosten sind niedriger, da zum Beispiel weniger Fläche für die Lagerung von physischem Material benötigt wird.

Am Ende müssen Unternehmen abwägen, ob die höheren Kosten für eine Hybridlösung sich betriebswirtschaftlich lohnen oder nicht: denn die Vorteile in Bezug auf Datenschutz, Ausfallsicherheit und Rechenleistung können auf der anderen Seite im Ernstfall wiederum erhebliche Kosten für Systemausfälle, Data Breaches oder andere Incidents einsparen.